Zahlungsmethoden: Ist mit TWINT Mobile Payment endlich in der Schweiz angekommen?

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Tencent und Alibaba machen es mit ihren Apps Wechat Pay und Alipay in der chinesischen Volksrepublik schon seit knapp zwei Jahrzehnten vor, wie die Zukunft mobiler Zahlungen aussehen könnte. Doch auch nach so langer Zeit hat sich – mit Ausnahme von Google Pay und Apple Pay – in Europa diesbezüglich noch immer recht wenig getan, während Verbraucher in Asien mittlerweile kaum noch Bargeld im Alltag nutzen.

Die Schweiz bildet hier eine angenehm auffallende Ausnahme. Denn der Zahldienstleister TWINT, ein Tochterunternehmen der PostFinance, wagt mit seiner Bezahlapp den ersten Schritt in das grösstenteils noch unerschlossene Territorium des Mobile Payment – und das mit Erfolg, denn seit Veröffentlichung im Jahr 2017 konnte die App insgesamt 5 Mio. Nutzer aus der Schweiz für sich gewinnen und verzeichnet im Durchschnitt 386 Mio. Transaktionen pro Jahr. Mittlerweile lässt sich damit auch in den meisten Supermärkten bezahlen, wobei der Grossteil der Transaktionen aber im digitalen Bereich stattfindet – insbesondere Online Casinos mit TWINT als Zahlungsmethode gehören zu den häufigsten Nutzungsfällen, weshalb immer mehr Casinos die App akzeptieren, wie ein Vergleich zeigt.

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Wie funktioniert das Konzept von TWINT also genau und wie schneidet die Technologie im Vergleich zu den asiatischen Marktführern ab?

Funktionsweise

TWINT setzt auf die gleiche Technologie wie der ehemalige Konkurrent Mobino, der allerdings 2017 – dem gleichen Jahr, indem TWINT seine App auf den Markt brachte – bereits Pleite gegangen ist. Grundsätzlich stellt jede Schweizer Bank ihre eigene TWINT-App zur Verfügung. Nutzer müssen dabei über ein Konto bei der jeweiligen Bank verfügen, um einen Account einzurichten. Einzige Ausnahme ist die TWINT-App von UBS: Diese kann auch von Nichtkunden genutzt werden, sofern diese über eine Kreditkarte eines Schweizer Anbieters verfügen. 

Zahlungsverfahren

Zum Bezahlen wird TWINT entweder mit dem Konto oder der Kreditkarte der jeweiligen Bank verbunden. Diese werden in Echtzeit nach jeder Zahlung mit dem entsprechenden Betrag belastet.

Allerdings bietet noch nicht jede Schweizer Bank eine eigene TWINT-App an. In diesem Fall kann der Nutzer dann entweder die App der UBS, die auch Kreditkarten fremder Schweizer Banken akzeptiert, nutzen oder auf die Prepaid-App von TWINT ausweichen. 

Letztere funktioniert wie eine elektronische Wallet, die sich mit Guthaben aufladen lässt. Das ist auf drei verschiedene Arten möglich:

  • Lastschrift: Die einfachste und schnellste Methode, um sein TWINT-Guthaben aufzuladen, ist die Zahlung per Lastschrift. Damit ist das Geld sofort auf der TWINT-App verfügbar und kann ohne weiteres zur Zahlung verwendet werden. Der einzige Nachteil bei dieser Methode ist, dass der Maximalbetrag, der per Lastschrift eingezahlt werden kann, bei 200 CHF gedeckelt ist. Zudem unterstützt nicht jede Bank das Lastschriftverfahren für die TWINT-App.
  • Online-Überweisung: Wer sein Guthaben mit der klassischen Online-Überweisung aufladen will, kann dies mit einem sogenannten Einzahlungsschein tun. Dieser enthält die Empfänger-Bankdaten von TWINT sowie den gewünschten Betrag, der eingezahlt werden soll. Zugesandt wird der Einzahlungsschein per Email, nachdem der Nutzer ihn über die App angefordert hat. Im Anschluss wird der Einzahlungsschein dann im Online-Banking-Konto des Nutzers eingegeben, um die Transaktion abzuschliessen. Bis zu drei Werktage können vergehen, bis das Geld auf dem TWINT-Konto gutgeschrieben wird, allerdings wird diese Methode von jeder Schweizer Bank unterstützt.
  • Guthabencode: Schliesslich gibt es noch den altbekannten Guthabencode, wie man ihn von den meisten Prepaid-Angeboten kennt. Erhältlich sind die Codes in allen Postfilialen und gängigen Supermärkten. Die Aufladung kann auf zweierlei Art verfolgen: Entweder scannt der Nutzer den auf dem Coupon befindlichen QR-Code oder er tippt den gleichwertigen Zahlencode (ebenfalls auf dem Coupon enthalten) selbst in die App ein. Das Guthaben ist natürlich augenblicklich verfügbar.

Wie funktioniert die Zahlung per TWINT?

Für die eigentliche Zahlung orientiert sich TWINT am Vorbild des chinesischen Ansatzes. Mittels QR Code werden die Informationen des Zahlungsempfängers gescannt und in die App eingespeist. Der Nutzer kann dann den zu zahlenden Betrag festlegen und absenden. Das Geld wird dann in Echtzeit dem TWINT-Konto des Empfängers gutgeschrieben. 

Dem chinesischen Vorbild trägt TWINT übrigens Rechnung, denn TWINT QR Codes sollen in Zukunft auch mit Alipay kompitabel sein. Chinesische Touristen könnten damit möglichst komfortabel und ohne Währungsumtausch in der Schweiz bezahlen.

Akzeptanz

Mit 5 Millionen Nutzer kann man sagen, dass TWINT in nahezu allen Teilen der Schweizer Bevölkerung (8,7 Mio.) angekommen ist. Das zeigt sich auch an der Anzahl und Art von Händlern, die TWINT mittlerweile als Zahlungsmethode akzeptieren: 

  • Supermärkte
  • Einzelhandel
  • Restaurants
  • Snack – und Getränkeautomaten
  • Online Shops
  • Imbissstände

Mittlerweile findet man die QR Codes zum Bezahlen in der Schweiz in nahezu jedem Laden – ob online oder offline – damit ist die Schweiz ihrem deutschen Nachbarn, wo Bargeld weiterhin das Zahlungsmittel der ersten Wahl ist, deutlich voraus. In dieser Richtung hat TWINT allerdings bereits künftige Ambitionen angedeutet. Denn das Unternehmen will seine Dienste künftig auch in Deutschland und Österreich anbieten, allerdings gibt es dafür noch keinen genauen Termin. 

Fazit

TWINT ist einer der Anbieter, die zeigen, dass auch Europa langsam aber sicher auf den Zug des mobilen Bezahlens aufspringt. Alleine an der Zahl der Nutzer und der Transaktionen lässt sich erkennen, wie gut das Produkt ankommt – schliesslich hat TWINT in weniger als sieben Jahren nahezu die gesamte Schweiz erschlossen. Da dürfte es nicht verwundern, wenn der Anbieter als nächstes auch den restlichen deutschsprachigen Raum in Angriff nimmt.

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