Yakuza: Wie die japanische Mafia Geld verdient

Yakuza: Wie die japanische Mafia Geld verdient
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Die Yakuza gilt als die gefürchtetste Verbrecherorganisation Japans. Um Reichtum zu erlangen, hat die japanische Mafia zahllose Geschäftszweige aufgebaut.

Tod durch Erhängen. So lautet das Urteil, mit dem ein japanischer Richter den Yakuza-Boss Satoru Nomura im August 2021 zur Rechenschaft zieht. Der 74-Jährige soll den Mord eines Menschen in Auftrag gegeben und per Befehl drei weitere verletzt haben. Bevor der Gangster aus dem Gerichtssaal abgeführt wird, bedroht er den Richter mit den Worten: “Alles, was ich wollte, war ein gerechtes Urteil. Sie werden das für den Rest Ihres Lebens bereuen!”

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Satoru Nomura war der Anführer der Kudo-kai, einer von vielen Yakuza-Gruppen in Japan. Die Yakuza werden im Ausland häufig als “japanische Mafia” bezeichnet. Ähnlich wie die großen Verbrecherorganisationen aus Italien verdienen sie ihr Geld durch illegale Geschäfte, in denen die Anwendung von Gewalt keine Seltenheit darstellt. Die Anfänge der kriminellen Vereinigung lassen sich bis ins 17. Jahrhundert zurückdatieren.

Ihre Blütezeit erlebte die Yakuza in den 90er-Jahren, nicht lange nach der Weltwirtschaftskrise. Die steigenden Umsätze von Bars und Restaurants sowie die Eröffnung zahlreicher neuer Geschäfte ließen die Schutzgeldeinnahmen wachsen. Die Mitgliederzahl belief sich damals auf schätzungsweise 90.000 Personen. Heute gibt es gerade noch 24.000 Mitglieder – mehr als die Hälfte davon sind älter als 5o Jahre. Die immer strenger werdenden Kriminalgesetze der Regierung machen den Yakuza-Job zunehmend unattraktiv.

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Yakuza: Die Geschäftszweige der japanischen Mafia

Ausgestorben sind die Yakuza dennoch nicht. Vor allem in der Unterwelt spielen Gruppierungen wie die Yamaguchi-gumi, die Sumiyoshi-kai und die Inagawa-kai noch eine tragende Rolle. Denn eine der größten Einnahmequellen der japanischen Mafia entfällt auf den Personenschutz. Viele Menschen bitten die Mafiosi um Schutz, weil sie entweder bedroht werden und nicht auf die Polizei vertrauen oder im Fadenkreuz der Behörden stehen. Die Kunden der Yakuza sind oft selbst in kriminelle Geschäfte verwickelt.

Seit ihrer Gründung ist die Yakuza außerdem ins Glücksspielgeschäft involviert. Obwohl der Großteil der Umsätze vermutlich im gesetzeswidrigen Bereich stattfindet, betreibt die Organisation auch einige legale Glücksspielautomaten – sogenannte Pachinkos. Dabei handelt es sich um Spielautomaten im Arcade-Stil, bei denen man zwar kein Geld, dafür aber Sachpreise im Wert von unter 10.000 Yen (ca. 71 Euro) gewinnen kann. So wird das Verbot der Geldgewinne umgangen. Zu den Sachpreisen gehören neben Parfüms und Kugelschreibern auch Feingoldbarren.

Darüber hinaus hat die japanische Mafia auch in der Prostitution Fuß gefasst. Für die Sexarbeit werden zumeist junge Mädchen ausgewählt, die das 18. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Einen ebenfalls großen Geschäftszweig stellt der Drogenhandel dar – und das obwohl der traditionelle Yakuza-Kodex den Handel mit Rauschgift eigentlich unter Strafe stellt.

Wie jede andere Mafia-Gruppierung auch, verdient die Yakuza außerdem einen Haufen Geld durch die Erpressung von Schutzgeld. Zu den Opfern gehören üblicherweise Besitzer von Restaurants, Bars und Nachtclubs. Im Zuge der Corona-Pandemie ist diese Einnahmequelle aber geschrumpft. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten entschieden sich viele Unternehmer nämlich dazu, kein Schutzgeld mehr zu zahlen und die Täter stattdessen anzuzeigen.

Der Einfluss der Yakuza in der Finanzbranche

Der lange Arm der Yakuza reicht bis in die Finanzbranche. So ist die japanische Mafia bekannt dafür, Kredite zu Wucherzinsen zu vergeben oder Geldwäsche zu betreiben. Mit letzterem ist die Verbrecherorganisation sogar im Ausland bekannt geworden. Im Jahr 2004 kam es zu Ermittlungen gegen einen Angestellten der Credit Suisse, nachdem dieser beschuldigt wurde, mehr als 5 Milliarden Yen (ca. 35,4 Millionen Euro) für die Yamaguchi-gumi gewaschen zu haben.

Lange Zeit übte sich die Yakuza außerdem im Insider-Trading. Die kriminelle Vereinigung profitierte davon, wichtige Börseninformationen früher als jeder andere zu erhalten. Mittlerweile ist dieser Geschäftszweig aber eingefroren. Spätestens seit den Skandalen des japanischen Finanzverwalters Nomura Group wissen wir, dass auch legale Unternehmen zunehmend Insider-Trading betreiben, wodurch die Yakuza ihren Vorteil verlieren.

Polizeilichen Schätzungen zufolge erzielt die Yakuza heutzutage rund 50 Prozent ihrer Einnahmen durch legale Geschäfte, etwa in der Bauindustrie, auf dem Immobilienmarkt oder in der Finanzwelt. Die legitimen Aktivitäten werden meist von Teilmitgliedern vorgenommen, die in einer bestimmten Branche über Expertise verfügen und kaum als Yakuza zu erkennen sind, weil sie z.B. nicht die typischen Tattoos tragen. Das investierte Kapital wird jedoch weiterhin aus illegalen Geschäftszweigen gewonnen.

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