Thesaurierend oder ausschüttend: Welcher ETF ist die bessere Wahl?

Thesaurierend oder ausschüttend: Welcher ETF ist die bessere Wahl?
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ETFs gibt es in zwei Varianten: Thesaurierend und ausschüttend. Dabei geht es um die Frage, wie mit Dividenden umgegangen werden soll.

Unternehmen beteiligen ihre Aktionäre meistens mit einer Dividende am Gewinn. Ein ETF investiert in mehrere einzelne Aktien und übernimmt zwar in der Regel das Stimmrecht der Anleger, nicht aber ihre Dividenden. Diese werden entweder ausgeschüttet oder automatisch reinvestiert – je nachdem, für welche ETF-Variante du dich entscheidest.

Thesaurierend oder ausschüttend: Wie unterscheiden sich die ETFs?

Grundsätzlich unterscheiden sich thesaurierende und ausschüttende ETFs nur in der Art, wie sie mit Dividenden verfahren. Ansonsten bilden sie beide einen entsprechenden Index nach, können identische Gebühren haben und die selbe Replikationsmethode nutzen. In der Regel stellen Fondsanbieter für einen ETF immer beide Varianten zur Auswahl.

Wie der Name schon verrät, werden bei einem ausschüttenden ETF die Dividenden regelmäßig an den Fondsanleger ausgezahlt. Jedoch kann der ETF von dem Geld auch neue Aktien kaufen. Die Dividenden werden dann reinvestiert – man spricht von einer Thesaurierung. Solche Fonds lassen sich oft an dem Zusatz “acc” (Accumulating) erkennen. Ausschüttende ETFs werden hingegen mit “dist” (Distributing) gekennzeichnet.

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Thesaurierende ETFs: Höhere Rendite durch Zinseszinseffekt

Wenn du dich für einen thesaurierenden ETF entscheidest, wächst zwar der Betrag auf deinem Verrechnungskonto nicht, dafür aber das Fondsvolumen. Es kommt ein Zinseszinseffekt zustande, von dem dein Vermögen langfristig profitiert. Dieser wird häufig unterschätzt, kann aber einen großen Unterschied machen. Hierzu ein Rechenbeispiel:

Angenommen, du legst einmalig 10.000 Euro in einen Aktien-ETF an, der eine jährliche Rendite von 8 Prozent erzielt. Dieser Wert setzt sich aus 5 Prozent Kurssteigerung und 3 Prozent Dividenden zusammen. Handelt es sich um einen ausschüttenden ETF, steht dein Anlagevermögen nach fünf Jahren bei 12.762 Euro. Hast du in einen thesaurierenden ETF investiert, beträgt dieses 14.693 Euro. Wirklich zur Geltung kommt der Zinseszinseffekt aber erst über einen längeren Zeitraum.

AnlagezeitraumAusschüttendThesaurierend
5 Jahre12.762 Euro14.693 Euro
10 Jahre15.648 Euro21.589 Euro
20 Jahre21.725 Euro46.610 Euro

Steuerliche Besonderheiten

Das Thema Steuern in Bezug auf Investmentfonds ist zu umfangreich, um es in diesem Artikel genauer zu beleuchten. Was du aber wissen solltest, ist, dass bei thesaurierenden ETFs nicht mehr nur bei der Realisierung von Gewinnen Steuern fällig werden. Mit dem Investmentreformgesetz gilt seit 2018 eine Vorabpauschale zu entrichten. Sie dient der steuerlichen Gleichbehandlung von thesaurierenden und ausschüttenden ETFs.

Selbst berechnen und abführen musst du die Vorabpauschale allerdings nicht. Diese Aufgabe übernimmt in der Regel deine Bank oder dein Broker. Selbiges gilt auch für die Abgeltungssteuer, die auf realisierte Gewinne geleistet werden muss. Sie beträgt pauschal 25 Prozent. Allerdings werden auf die Abgeltungssteuer außerdem der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer erhoben.

Nicht versteuert werden müssen Kapitalerträge bis 1.000 Euro für Singles und 2.000 Euro bei Ehepaaren. Damit die Bank oder der Broker den Freibetrag berücksichtigt, solltest du einen Freistellungsauftrag stellen. Normalerweise ist dieser Prozess schnell erledigt. Bei Modern Wealth findest du Anleitungen für die Einrichtung eines Freistellungsauftrags bei Trade Republic, Scalable Capital und ING.

Fazit: Ausschüttende oder thesaurierende ETFs?

Nun kennst du die wesentlichen Unterschiede zwischen einem thesaurierenden und ausschüttenden ETF. Für welche der beiden Arten du dich entscheidest, liegt letztlich an dir beziehungsweise deiner Anlagestrategie. Den höheren Ertrag wird dir aufgrund des Zinseszinseffekts ein thesaurierender ETF bringen.

Zielst du aber auf ein regelmäßiges Einkommen in Form von Ausschüttungen ab, die Jahr für Jahr auf deinem Konto landen, dann ist ein ausschüttender ETF die richtige Wahl. Die Dividenden können als Ergänzung zu deinem Jahresgehalt dienen. Ausschüttende ETFs sind vor allem unter älteren Anlegern beliebt, welche die Auszahlungen als eine Art zusätzliche Rente nutzen können.

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