Sparen und Investieren: Was die Zinserhöhung für dich bedeutet

Sparen und Investieren: Was die Zinserhöhung für dich bedeutet
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Die Zinserhöhung der EZB ist Realität geworden. Wir erklären, was jetzt auf Verbraucher zukommt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich dazu entschieden, ihre Geldpolitik grundlegend zu ändern. Um die hohe Inflationsrate einzudämmen, plant das Institut, Stück für Stück die Leitzinsen zu erhöhen. Am 27. Juli ging die Notenbank bereits den ersten Schritt: Alle drei Leitzinsen wurden um 0,5 Prozent angehoben. Für die nahe Zukunft stellt die EZB weitere Erhöhungen in Aussicht.

Die Zinserhöhung ist für Verbraucher weder ausschließlich positiv, noch negativ zu bewerten. Wie stark die Entscheidungen der EZB deinen privaten Finanzhaushalt beeinflussen, hängt von mehreren Faktoren ab – zum Beispiel davon, welche Anlageklassen du bevorzugst oder ob du momentan von Krediten abhängig bist.

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Sparen

Für leidenschaftliche Sparer kommt die Zinswende wie gerufen. Die Erhöhung des Leitzins beendet nämlich die Ära der Negativzinsen. Das heißt: Wer viel Geld auf seinem Konto parkt, muss keine Gebühren mehr zahlen.

Einige Banken haben den Negativzins bereits ganz oder teilweise abgeschafft. In den nächsten Wochen und Monaten werden vermutlich immer mehr Geldinstitute auf die Spargebühren verzichten.

Im Zuge der Zinserhöhung steigen auch die Sparzinsen wieder. Ein Grund zum feiern ist das aber nicht. Durch die hohe Inflationsrate verliert dein gespartes Geld nämlich immer noch an Kaufkraft, auch wenn der Wertverlust nicht mehr so schnell vonstatten geht, wie zuvor. Bei einer Inflationsrate von rund 8 Prozent und einem beispielhaften Zinssatz von 2 Prozent, würde dein Geld weiterhin 6 Prozent seines Wertes einbüßen. Wegen der Leitzinserhöhung ein Tages- oder Festgeldkonto zu eröffnen, lohnt sich also nur mäßig.

Aktien und ETFs

Steigende Zinsen sorgen dafür, dass die Anleger neues Interesse an festverzinslichen Wertpapieren wie z.B. Anleihen gewinnen. Das Interesse an den vergleichsweise risikoreichen Aktien und ETFs geht verloren.

An der Börse kann diese Entwicklung zu fallendenden Kursen führen. Doch keine Sorge: Oft sind derartige Kursverluste nur von kurzer Dauer. Wer mit einem langfristigen Anlagehorizont von mehreren Jahren und Jahrzehnten investiert, sollte den Bärenmarkt darum einfach aussitzen.

Immobilien

Wer jetzt eine Immobilie kauft, spielt mit dem Feuer. Die Kreditzinsen haben sich seit Jahresbeginn schon verdreifacht. Die Bauzinsen liegen mit Mit etwa 3,3 Prozent so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Willst du dennoch eine Immobilie erwerben, solltest du darauf achten, möglichst wenig Fremdkapital dafür aufzunehmen – dein eigenes Kapital musst du immer hin nicht verzinsen.

Kredite

Nicht nur bei Immobilien solltest du dich von Darlehen fernhalten. Die Zinserhöhung der EZB beeinflusst auch den Zinssatz von Krediten beim Möbelkauf, beim Autokauf oder bei der Fremdfinanzierung von Urlauben. Kurzum: Alle Kredite, die keinen festen Zinssatz haben, sind davon betroffen. Laufende Schulden solltest du deshalb so schnell wie möglich abbauen. Möchtest du dennoch einen Kredit aufnehmen, solltest du dich informieren, ob vielleicht ein Forward-Darlehen für deine Situation in Frage kommt.

Kryptowährungen

Mit der Zinserhöhung der Fed in den Vereinigten Staaten, haben Kryptowährungen zuletzt massiv an Wert verloren. Die EZB hat diese Entwicklung nur begünstigt. Der Bitcoin musste seit Beginn des Jahres fast 50 Prozent seines Preises einbüßen – andere Währungen wie Ethereum und Cardano fielen noch tiefer in ihrem Kurs. Einige Finanzexperten glauben, wir befinden uns bereits in einem sogenannten “Krypto-Winter“.

Die Auswirkungen der Zinserhöhung haben noch einmal die spekulative Seite der Kryptos zur Schau gestellt. Willst du jetzt in den Handel mit digitalen Währungen einsteigen, solltest du dafür nur Geldsummen aufwenden, deren Verluste du verkraften kannst.

Wer von der Zinserhöhung profitiert – und wer nicht

Für Sparer könnte die Zinswende eine Chance darstellen, sollte die EZB weitere Zinserhöhungen beschließen. Reale Renditen lassen sich, aufgrund der hohen Inflationsrate, aber weiterhin nicht mit klassischen Tages- oder Festgeldkonten erwirtschaften. Dafür verliert das Kapital zumindest weniger schnell an Wert.

Langfristig orientierte Aktien- und ETF-Anleger sollten sich von dem Trubel an der Börse nicht aus der Ruhe bringen lassen. Früher oder später wird der Sturm mit hoher Wahrscheinlichkeit vorbeiziehen. Bei Kryptowährungen ist wie immer Vorsicht geboten – weil die digitalen Währungen noch eine recht junge Anlageklasse sind, lassen sich derzeit nur schwer Prognosen aufstellen.

Die Aufnahme von Krediten solltest du bestmöglich vermeiden. Besonders Immobilienkredite können jetzt sehr teuer werden. Nur ausgesprochen günstige Finanzierungskonzepte könnten den Erwerb einer Immobilie noch zu einem sinnvollen Investment machen.

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