Smart-Beta-ETFs: Den Markt schlagen mit verbesserten Indexfonds

Smart-Beta-ETFs: Den Markt schlagen mit verbesserten Indexfonds
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Mit Smart-Beta-ETFs können Anleger den Markt schlagen. Wir verraten dir, was die neumodischen Indexfonds auszeichnet.

ETFs sind schon lange kein Geheimtipp mehr. Laut dem Extra-Magazin stieg das ETF-Anlagevolumen von Privatanlegern in Deutschland seit 2014 um mehr als 1.000 Prozent. Verwundern sollte dieser Trend nicht, denn gute Gründe in Indexfonds zu investieren gibt es genug. So lässt sich mit ETFs eine breite Streuung im Portfolio erreichen, bei vergleichsweise geringen Kosten und hoher Transparenz.

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Smart-Beta-ETFs: Passiv investieren mit spezieller Strategie

Die Eigenart eines ETFs ist es, einen Index wie den DAX oder den MSCI World nachzubilden. Dabei richtet sich die Zusammensetzung meist nach der Marktkapitalisierung der enthaltenen Unternehmen. Einen solchen Index bezeichnet man auch als Beta-Index.

Sogenannte Smart-Beta-ETFs brechen mit diesem Konzept. Bei der Gewichtung des Index wird nicht mehr die Marktkapitalisierung als Basis genommen, sondern ein neues Gewichtungskriterium wie z.B. die Dividende, die Qualität oder die Größe der Unternehmen. Das Ziel dahinter: Eine bessere Rendite oder eine geringere Schwankung erreichen als der Markt, der in diesem Fall der Beta-Index ist.

Viele Smart-Beta-ETFs basieren auf den Untersuchungen von renommieren Finanzwissenschaftlern. So fanden die Ökonomen Eugene Fama und Kenneth French etwa heraus, dass es gewisse Aktientypen an der Börse gibt, die besonders gut performen. So schnitten z.B. Value-Aktien (unterbewertete Aktien) und Small-Cap-Aktien (Aktien mit geringem Börsenwert) im historischen Verlauf stets besser als der Gesamtmarkt ab.

Mit der Zeit wurden weitere Untersuchungen angestellt. Heute weiß man, dass es noch deutlich mehr Faktoren gibt, die einen Einfluss auf die Kursentwicklung eines Aktien-Portfolios üben. Anlagestrategien, die von Smart-Beta-ETFs umgesetzt werden, existieren dementsprechend viele. Die beliebtesten wollen wir dir im Folgenden vorstellen:

1. Dividende

Manche Smart-Beta-ETFs wählen nur solche Aktien eines Beta-Index aus, die eine überdurchschnittlich hohe Dividende ausschütten. Man spricht hierbei auch von Dividenden-ETFs. Viele Anleger setzen auf diese speziellen Indexfonds, weil sie mit den regelmäßigen Dividenden ein passives Einkommen aufbauen möchten.

2. Value

Bei Value-Aktien handelt es sich um Wertpapiere, die unter ihrem fairen Wert an der Börse gehandelt werden. Sie sind also unterbewertet. Ob eine Aktie dieser Beschreibung entspricht, wird anhand der Kennzahlen eines Unternehmens bestimmt. So weisen Value-Aktien oft ein geringes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), ein geringes Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), ein solides Gewinnwachstum und eine hohe Eigenkapitalquote auf.

Viele berühmte Investoren nutzen eine Value-Strategie, um den Markt zu schlagen. Das beste Beispiel hierfür ist der Star-Investor Warren Buffett, der durch die Auswahl von unterbewerteten Aktien zum Multimilliardär wurde.

3. Small Cap

Als Small Caps werden in der Börsensprache Unternehmen bezeichnet, die eine geringe Marktkapitalisierung aufweisen. Die Annahme bei der Small-Cap-Strategie ist, dass kleine Unternehmen langfristig eine bessere Rendite erwirtschaften als große. Dafür schwanken sie aber auch stärker am Markt und sind schlechter für Krisen gewappnet.

4. Momentum

Bei der Momentum-Strategie geht es darum, Titel ins Portfolio zu holen, die in den vergangenen zwölf oder sechs Monaten eine überdurchschnittliche Rendite erzielten. Der Anleger wettet darauf, dass diese Kursdynamik weitergeht und die Aktien auch in Zukunft den Markt schlagen werden. Smart-Beta-ETFs, die Aktien mit Aufwärtstrend nachbilden, beziehen sich oft auf einen breitgestreuten Welt- oder Europa-Index.

5. Qualität

Hierbei werden nur solche Aktien ausgewählt, die eine besondere Qualität aufweisen. Als Auswahlkriterien gelten dabei oft stabile Unternehmensgewinne, eine hohe Eigenkapitalrendite, ein niedriger Verschuldungsgrad und ein kompetentes Management. Wie ein spezieller Smart-Beta-ETF “Qualität” definiert, muss man im Einzelfall betrachten. Der große Nachteil bei dieser Strategie ist, dass kleine Unternehmen oft vernachlässigt werden, weil sie noch nicht am Markt etabliert sind.

6. Geringe Schwankungen

In manchen Smart-Beta-ETFs tauchen nur Titel auf, die geringe Kurschwankungen (Low Volatility) aufweisen. Der Vorteil bei diesen Aktien ist, dass sie nicht so stark an Wert verlieren, wenn es an der Börse bergabwärts geht. Dafür fallen die Kursgewinne während Boomphasen oft schwächer aus. Die Low-Volatility-Strategie ist besonders für Anleger geeignet, die großen Wert auf einen stabilen Vermögenszuwachs legen und nicht gerne Risiken eingehen.

7. Gleichgewichtung

Normalerweise setzt sich die Gewichtung von Unternehmen in Indizes auf Grundlage ihrer Marktkapitalisierung zusammen. Große Unternehmen nehmen deshalb einen größeren Platz im Index ein als kleine. Bei gleichgewichteten Indizes werden dagegen alle Aktien zu gleichen Anteilen eingekauft. So macht sich der Anleger nicht von einigen wenigen Unternehmen abhängig. Außerdem kann er stärker von den Kursgewinnen kleiner Titel profitieren.

8. Multi-Faktor

Beim diesem Ansatz werden mehrere Strategien miteinander vereint – häufig aber nicht mehr als zwei oder drei. In der Regel sind das die Elemente “Value”, “Qualität” und “Momentum”. Die Kombination mehrerer Strategien hat meist zum Ziel, das Risiko beim Investieren zu senken und dennoch eine vielversprechende Rendite zu erzielen.

Oft sieht man deshalb auch ETFs, welche die Faktoren “Small Cap” und “Geringe Schwankungen” miteinander vereinen. Denn während Small-Cap-Aktien potenziell satte Kursgewinne einfahren, können schwankungsarme Aktien die Volatilität im Portfolio reduzieren. Anleger sollten jedoch bedenken, dass die jährlichen Kosten bei Multi-Faktor-ETFs im Schnitt 0,45 Prozent höher liegen als bei normalen Smart-Beta-ETFs.

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Lohnen sich Smart-Beta-ETFs?

Smart-Beta-ETFs, die wegen ihrem Fokus auf eine bestimmte Strategie oft auch Faktor-ETFs genannt werden, haben das Potenzial, den Markt zu schlagen oder Schwankungen im Portfolio zu reduzieren. In der Vergangenheit hat das mit den acht vorgestellten Faktoren auch ganz gut funktioniert. Doch Anleger sollten bedenken, dass die Kursentwicklung der Vergangenheit keinen Aufschluss über die Performance der Zukunft gibt.

Zudem kommt die Überrendite der Smart-Beta-ETFs nicht ohne Aufpreis. Viele der speziellen Indexfonds verlangen höhere Gebühren als ihre markttreuen Gegenstücke – teilweise doppelt bis dreifach so hoch. Für diese Mehrkosten gibt es zwei Gründe: Auf der einen Seite ist der Aufwand von Smart-Beta-ETFs größer als für klassische ETFs. Auf der anderen Seite ist die Auswahl geringer, was den Wettbewerb einschränkt.

Darüber hinaus gilt es zu beachten, dass der Selektionsprozess der Smart-Beta-ETFs auf die Diversifikation einwirkt. Wer z.B. nur die Dividenden-Titel aus einem Weltaktien-Index hernimmt, investiert in hunderte Aktien weniger. Außerdem legt er sich auf wenige Branchen fest – namentlich solche, in denen hohe Dividenden ausgeschüttet werden. Dadurch kann ein Klumpenrisiko entstehen.

Vor allem Anfänger sollten Smart-Beta-ETFs nur als Zusatz im Portfolio betrachten. Den Grundstein der Geldanlage legt besser ein breitgestreuter Weltaktien-ETF. Ein solcher Indexfonds erlaubt es dir, mit geringen Kosten in hunderte bis tausende Aktien auf der ganzen Welt zu investieren.

In Smart-Beta-ETFs investieren: Wie funktioniert das?

Wer in Smart-Beta-ETFs investieren möchte braucht besonders eine Sache: Geduld. Denn ob du im nächsten Jahr positive Renditen mit deinem Indexfonds erwirtschaften wirst, kann keiner vorhersagen. Experten raten dazu, mindestens 15 Jahre in einen ETF zu investieren. Dadurch steigern Anleger nicht nur ihre Chance, hohe Renditen einzufahren, sie profitieren auch vom Zinseszinseffekt.

Um Smart-Beta-ETFs kaufen zu können benötigst du ein Depot bei einem passenden Broker oder einer Bank. Ein kostenloses Depot und eine große Auswahl an ETFs findest du beim Online-Broker Trade Republic*. Neben Indexfonds kannst du dort auch Aktien, Kryptowährungen und Derivate kaufen.

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