Sind Small Cap ETFs sinnvoll? Kleine Aktien, große Renditen

Sind Small Cap ETFs sinnvoll? Kleine Aktien, große Renditen
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Sind Small Cap ETFs sinnvoll? Wir haben das Anlageprodukt genauestens untersucht, um dir die Antwort auf diese Frage zu erleichtern.

Immer wieder hört man in der Finanzwelt, Small Cap ETFs bescheren dem Portfolio einen Renditeboost. Doch stimmt das wirklich? Welche Vor- und Nachteile bieten die speziellen Indexfonds? Und wie viel Platz sollten sie im Portfolio einnehmen? Diese und noch weitere Fragen möchten wir im Folgenden beantworten.

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Was sind Small Caps?

Sprechen Anleger von Small Caps, dann meinen sie damit börsennotierte Unternehmen mit einer geringen Marktkapitalisierung. Demgegenüber stehen die Mid Caps, also Unternehmen mit mittelgroßer Marktkapitalisierung und die Large Caps mit einem großen Börsenwert. Eine festgelegte Unter- und Obergrenze für die Marktkapitalisierung gibt es bei der Definition von Small Caps nicht.

In Deutschland werden Small Cap Unternehmen im SDAX aufgeführt. Der Index beinhaltet 70 deutsche Aktien ab einer Marktkapitalisierung von 500 Millionen Euro bis zu einer Grenze von 9 Milliarden Euro. Auch Unternehmen wie die DWS Group, Metro und Fielmann werden noch als klein angesehen und landen deshalb nicht im MDAX, dem Index für mittelgroße Aktien.

Der Indexanbieter MSCI nimmt die Einordnung ein wenig anders vor. Laut seiner Definition handelt es sich bei Small Caps um die kleinsten 14 Prozent aller weltweit börsennotierten Unternehmen. Weitere 15 Prozent machen die Mid Caps aus und 70 Prozent die Large Caps. Die letzten 1 Prozent füllen die Micro Caps, winzige Unternehmen, die aufgrund ihrer hohen Anzahl und des geringen Börsenwerts in kaum einem Index auftauchen.

Sind Small Cap ETFs sinnvoll? Kleine Aktien, große Renditen
© Quelle: JustETF, MSCI; Stand: 30.04.2022

Small Caps: Kleine Unternehmen bieten Renditevorteil

Kleine Unternehmen sind in der Regel jung, flexibel und innovativ. Deshalb wachsen viele von ihnen schneller als bereits etablierte Firmen. Dieses Wachstum spiegelt sich auch in der Kursentwicklung am Aktienmarkt wieder. Der Kapitalmarktforscher Jeremy Siegel verglich einmal über vier Jahrzehnte die Renditen von amerikanischen Small- und Large Caps. Das Ergebnis: Kleine Aktien erzielten im Jahresdurchschnitt 2,8 Prozent mehr Rendite als große Wertpapiere.

Ein Blick auf den globalen Aktienmarkt bestätigt diesen Renditevorteil. Der weltweit gestreute MSCI World Index erzielte von 2009 bis 2022 eine Kurssteigerung von durchschnittlich 11,41 Prozent im Jahr. Der Tochter-Index MSCI World Small Cap, welcher nur kleine Aktien des Weltmarkts beinhaltet, erreichte im selben Zeitraum eine Rendite von 12,87 Prozent jährlich.

Die sogenannte Small-Size-Prämie wurde von den Nobelpreisträgern Eugene Fama und Kenneth French im Jahr 1993 sogar wissenschaftlich nachgewiesen. Den zwei Ökonomen zufolge gehen Anleger mit dem Kauf von Small Caps zwar ein höheres Risiko am Kapitalmarkt ein, erhalten als Kompensation dafür aber eine zusätzliche Rendite. Weitere Faktoren für eine höhere Rendite sind laut Fama und French übrigens ein niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis und eine hohe Profitabilität. Mehr zu diesen Themen findest du in unserem Beitrag zu Smart-Beta-ETFs.

Über kurze Zeiträume kann es natürlich vorkommen, dass Small Caps eine schwächere Rendite als Large und Mid Caps erzielen. Auch sollte man bedenken, dass keiner die Zukunft vorhersagen kann. Ob die Small Cap Prämie auch in den kommenden Jahren Bestand hat, müssen wir erst noch herausfinden.

Small Cap Aktien: Renditeplus kommt nicht ohne Risiko

Kleine Firmen bieten Anlegern gewisse Renditechancen, die bei größeren Unternehmen eher selten sind. Dafür bergen Small Caps aber auch ein höheres Risiko. Denn Small Caps schwanken in der Regel stärker als Aktien mit mittlerer und großer Marktkapitalisierung. Schuld daran ist die Tatsache, dass kleine Unternehmen ihre Umsätze meist aus wenigen Geschäftsbereichen beziehen und Krisen deshalb härter zu spüren bekommen.

Anleger sollten damit rechnen, dass Small Caps während eines schlechten Börsenjahrs tiefer fallen als andere Aktien. So verlor der MSCI Small Cap Index im Jahr 2018 etwa 13,48 Prozent seines Wertes. Der MSCI World baute im gleichen Jahr nur um 8,20 Prozent ab. Im ebenfalls schlechten Börsenjahr 2022 war der Unterschied geringer. Während der MSCI World um 17,73 Prozent abstieg, waren es beim globalen Small Cap Index gerade einmal 0,64 Prozent mehr.

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Small Cap ETFs: Tausende Aktien auf einmal im Depot

Man muss Small Cap Aktien nicht einzeln kaufen. Mit einem ETF (Exchange Traded Funds) können Anleger die Kursentwicklung eines gesamten Index nachbilden. Einen der berühmtesten Indizes für kleine Aktien haben wir bereits mehrfach genannt: Den MSCI World Small Cap Index.

Der MSCI World Small Cap Index beinhaltet mehr als 4.400 kleine Aktien aus 23 Industrieländern. Die Streuung über mehrere Regionen und Branchen hinweg ermöglicht Anlegern eine breite Diversifikation im Portfolio. ETFs, die den Index nachbilden, gibt es mehrere. In Deutschland können Anleger derzeit auf folgende vier MSCI World Small Cap ETFs zurückgreifen:

NameKosten (TER)Volumen (€)AusschüttungReplikation
iShares MSCI World Small Cap0,35%2,48 Mrd.NeinOptimiertes Sampling
SPDR MSCI World Small Cap0,45%671 Mio.NeinOptimiertes Sampling
UBS ETF (IE) MSCI World Small Cap Socially Responsible A-acc0,23%111 Mio.NeinVollständige Replikation
iShares MSCI World Small Cap ESG Enhanced0,35%34 Mio.NeinOptimiertes Sampling

Es gibt natürlich auch Small Cap Indizes, die sich nicht auf weltweite Aktien konzentrieren, sondern nur bestimmte Regionen im Blick haben. Für ein europaweites Investment gibt es etwa den MSCI Europe Small Cap Index. Wer nur auf US-amerikanische Small Caps setzen möchte, ist mit einem ETF auf den Russell 2000 Index bestens bedient. Darüber hinaus gibt es auch Indizes, die speziell Schwellenländer in den Fokus stellen.

Small Cap ETFs kannst du bei einem Online-Broker wie Trade Republic* kaufen. Die Eröffnung eines Depots ist dort vollkommen kostenlos. Neben Indexfonds kannst du dort auch Einzelaktien, Derivate und Kryptowährungen kaufen.

Lohnen sich Small Cap ETFs zur Diversifikation?

Wer seinem Portfolio einen Small Cap ETF beifügt, steigert damit nicht nur seine Renditechancen. Er kann seine Geldanlage auf diese Weise auch diversifizieren. Das funktioniert deshalb, weil sich Small Caps nicht im Gleichschritt mit größeren Aktien entwickeln.

Small Caps sind zwar keine andere Anlageklasse, weißen aber dennoch nur eine Korrelation von +0,80 zu Mid Caps und Large Caps auf. Zur Erinnerung: Wenn die Korrelation zweier Vermögenswerte bei +1 liegt, entwickeln sich diese genau gleich. Liegt sie bei 0, lässt sich keine gegenseitige Abhängigkeit erkennen. Bei -1 steigt der eine Vermögenswert, wann immer der andere fällt.

Obwohl eine Korrelation von +0,80 Prozent im Vergleich zu anderen Anlageklassen gegenüber Mid und Large Caps immer noch hoch ist, schaffen es Small Caps trotzdem, das Risiko im Portfolio spürbar zu vermindern.

Anleger sollten bei der Diversifikation immer darauf achten, regelmäßig ein Rebalancing durchzuführen – also die ursprüngliche Vermögensverteilung in ihrem Portfolio wiederherzustellen. Denn läuft ein ETF in einem Jahr schlechter als ein anderer, nimmt seine Gewichtung im Portfolio ab. So könnte z.B. ein Small Cap ETF, der ursprünglich 10 Prozent bei der Geldanlage eingenommen hat, plötzlich nur noch mit 8 Prozent gewichtet sein. Experten raten dazu, mindestens einmal im Jahr umzuschichten.

Small Cap ETFs: Die richtige Gewichtung beim Investieren

Small Cap ETFs können dem Portfolio einen ordentlichen Renditeboost bescheren, weshalb es für Anleger Sinn machen kann, einen Anteil ihres Vermögens in derartige Indexfonds zu stecken. Wie groß dieser Anteil sein sollte, hängt vor allem vom persönlichen Risikoprofil ab. Denn Small Cap Aktien sehen sich stärkeren Kursschwankungen ausgesetzt als Mid und Large Caps.

Für sicherheitsorientierte Anleger kommen Small Cap ETFs nicht in Frage. Renditeorientierte Anleger mit einem gesunden Risikobewusstsein sollten Experten zufolge nicht mehr als 15 bis 20 Prozent ihrem Aktiendepot beimischen. Die Grundvoraussetzung für Small Cap Aktien im Depot sind eine breite Diversifikation und ein langfristiger Anlagehorizont – so kann das Risiko auf Verluste stark reduziert werden.

Nicht jeder ETF-Anleger muss seinem Portfolio einen Small Cap ETF beimischen. In einigen Indexfonds sind kleine Unternehmen bereits zu einem gewissen Anteil enthalten.

Doch Achtung: Viele ETFs setzen bei der Nachbildung eines Index auf optimiertes Sampling. Das bedeutet, dass sie nur die größeren Unternehmen abbilden und die kleinen Unternehmen ignorieren, um Kosten zu sparen. Bei Indexfonds, die sowohl Small Caps, wie auch Mid Caps und Large Caps beinhalten, führt das dazu, dass viele Small Caps einfach wegfallen. In Zeiten, in denen kleinen Unternehmen den Markt outperformen, entgehen dem Anleger dadurch Kursgewinne.

Fazit: Sind Small Cap ETFs sinnvoll?

Wer seinem Portfolio einen Small Cap ETF beifügt, kann dadurch die Renditechancen steigern. Denn Small Cap Aktien entwickeln sich im Schnitt besser als der Gesamtmarkt – das haben mehrere Untersuchungen der Vergangenheit ergeben. Weiterhin ermöglichen Indexfonds mit Fokus auf kleine Unternehmen eine breitere Diversifikation, wodurch sich Risiken bei der Geldanlage senken lassen. Im Negativfall können Small Caps aber auch größere Schwankungen im Portfolio erzeugen.

Experten zufolge sollte die Gewichtung von Small Caps im Portfolio nicht mehr als 15 bis 20 Prozent betragen. Anleger, die in solche Aktien investieren wollen, sollten ihr Portfolio bereits ausreichend diversifiziert haben und Geduld mitbringen. Denn bei Small Caps kann es auch mal über längere Zeiträume steil bergab gehen, bevor die nächste Kursrallye beginnt.

Um in Small Cap ETFs und andere Indexfonds investieren zu können, brauchst du ein Depot. Beim deutschen Neobroker Trade Republic* ist die Eröffnung eines Depot vollkommen kostenlos. Zum Angebot gehören dort neben ETFs auch Einzelaktien, Derivate und Kryptowährungen.

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