Scheine statt Münzen: Wie entstand das Papiergeld?

Scheine statt Münzen: Wie entstand das Papiergeld?
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Papiergeld ist einer der Bausteine unseres heutigen Finanzsystems. Die frühe Einführung der Banknoten war jedoch nicht so problemlos, wie man denken mag.

Heutzutage scheint es uns völlig normal, Einkäufe immer und überall mit Papiergeld bezahlen zu können. Viele von euch schleppen vermutlich kaum noch Münzen in ihrem Geldbeutel herum. Wozu auch? Vor allem größere Anschaffungen sind viel einfacher mit Banknoten abzuwickeln. Doch in der Geschichte der Menschheit ist Papiergeld eine recht neue Erfindung. Erst im China des 10. Jahrhunderts feierten Geldscheine, wie wir sie heute kennen, ihr Debüt.

Erste Banknoten von Inflation geprägt

Im Jahr 993 litt die mittelchinesische Stadt Chengdu unter einer Rebellen-Belagerung, die zur Münzknappheit innerhalb der Provinz Sichuan führte. Um das Wirtschaftssystem aufrecht zu erhalten, entschieden sich einige der ansässigen Händler, Geld in Papierform auszugeben. Als jegliche Rebellen im Jahr 1005 besiegt wurden, beschloss man, das neue Zahlungsmittel beizubehalten. Allerdings regulierte der Staat die Anzahl der Händler, die Papiergeld ausgeben durften und betrachtete dieses vorerst nur als eine Ergänzung der bereits bestehenden Eisenmünzen.

Wenig später breitete sich das Papiergeld in ganz China aus. Im Zuge einer Finanzkrise im Jahr 1016 wurde die Herausgabe von Banknoten verstaatlicht. Inflation war damals an der Tagesordnung, da die neue Menge an Papiergeld nicht ausreichend mit Gegenwerten gedeckt wurde. Die Europäer erfuhren zum ersten Mal vom Papiergeld, als Marco Polo im Jahr 1276 nach Fernost reiste und seine Beobachtungen dokumentierte. Erst im Jahre 1661 kam Papiergeld auch im europäischen Raum zum Einsatz, nachdem eine schwedische Bank aus Stockholm Scheine ausgab – bedingt durch eine Silberknappheit.

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Lange konnte sich das Zahlungsmittel jedoch nicht halten. Wie schon in China hatten die Schweden mit Inflation zu kämpfen. Zehn Jahre nach der Einführung, waren die neuen Banknoten wieder komplett wertlos. Ein ähnliches Schicksal ereilte auch die Franzosen im 18. Jahrhundert, nachdem die hiesigen Finanzinstitute durch Spekulation bankrott gingen. In vielen anderen Ländern Europas nutzte man deshalb noch kein Papiergeld, sondern bestimmte Wertpapiere, die meist durch Münzbeträge gedeckt waren.

Der Durchbruch geschah erst im Jahr 1776 auf der britischen Insel. Die Bank of England entschied sich dazu, das neue Zahlungsmittel vorerst nur in Form von kleinen Beträgen zu emittieren. Ein Rücktausch in Münzen war jederzeit möglich. Mit der Entwicklung nationaler Notenbanken (Zentralbanken) im 19. Jahrhundert konnte sich das Papiergeld dann endlich als stabile Währung etablieren. Wo in Großbritannien die Bank of England Banknoten ausgab, übernahmen in Frankreich die Banque de France und in Deutschland die Reichsbank jene Rolle. Die Menschen Europas wagten sich nun, dem zuvor noch umstrittenen Papiergeld zu vertrauen.

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