Rekord-Inflation in Deutschland: Droht eine Lohn-Preis-Spirale?

Rekord-Inflation in Deutschland: Droht eine Lohn-Preis-Spirale?
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Wenn die Inflation steigt, werden meist auch die Löhne erhöht. Macht sich zurecht die Angst über eine Lohn-Preis-Spirale in Deutschland breit?

Die einen halten sie für einen Mythos, andere sehen in ihr die größte Gefahr für unseren Wohlstand: Die Lohn-Preis-Spirale war schon immer ein umstrittenes Thema, das mit der Rekordinflation der letzten Monate aktueller denn je erscheint. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer fürchten, dass steigende Löhne die Inflation weiter befeuern. Ökonomen zufolge ist diese Sorge derzeit allerdings kaum berechtigt.

Die umstrittene Lohn-Preis-Spirale

Wenn überall die Preise steigen, klingt es nur logisch, parallel dazu auch die Löhne von Arbeitnehmern zu erhöhen, um deren Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Einer der Gründe, warum dies meistens nicht im gleichen Maße geschieht, ist die Befürchtung einer Lohn-Preis-Spirale. Steigende Löhne sollen dazu führen, dass Unternehmen ihre Preise erhöhen, was eine noch höhere Inflation zur Folge haben kann, so die Theorie.

Um eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern, ergreifen Unternehmen und Staat verschiedene Maßnahmen. So zum Beispiel die Inflationsprämie von bis zu 3.000 Euro, die im Oktober beschlossen wurde. Das Ziel: Arbeitnehmer entlasten, ohne dafür die Löhne zu erhöhen. Geht es nach den Gewerkschaften, ist letzteres aber trotzdem unvermeidbar.

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Lohn-Preis-Spirale: Ökonomen sehen noch keine Gefahr

Erst im vergangenen Monat hat sich Gewerkschaft IG Metall mit den Arbeitgebern in der Metall- und Elektroindustrie geeinigt. Das Ergebnis war eine Lohnerhöhung von 5,2 Prozent in 2023 und um weitere 3,3 Prozent im darauffolgenden Jahr. Insgesamt macht das 8,5 Prozent mehr Geld innerhalb der nächsten zwei Jahre. Hinzu kommt noch die volle Inflationsausgleichsprämie, welche die Betriebe ihren Beschäftigten steuer- und abgabefrei überweisen können.

Auch andere Gewerkschaften haben im Zuge der Inflation schon höhere Löhne durchgesetzt. Müssen wir eine Lohn-Preis-Spirale befürchten? Ökonomen geben diesbezüglich Entwarnung. Der Abschluss liege deutlich unter der ursprünglichen Forderung der IG Metall von acht Prozent, und das “in einer der europaweit am stärksten gewerkschaftlich organisierten Branchen”, schreibt Jens Südekum, Professor für internationale Volkswirtschaftslehre an der Universität Düsseldorf, auf Twitter.

Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, schließt sich dieser Meinung an. “Die dauerhaften Lohnerhöhungen von gut vier Prozent pro Jahr werden keine Lohn-Preis-Spirale auslösen”, zitiert ihn die Tagesschau. Besonders wichtig sei, dass mit der Einigung längere Streiks abgewendet wurden, welche die Krise hätten verschärfen können.

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