Nach Abo-Verlusten: Netflix kündigt werbefinanziertes Streaming an

Nach Abo-Verlusten: Netflix kündigt werbefinanziertes Streaming an
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Zum ersten Mal seit zehn Jahren hat Netflix mit rückgängigen Kundenzahlen zu kämpfen. Als Gegenmaßnahme will der Streamingdienst härter gegen Account-Sharing vorgehen und stellt sogar ein werbefinanziertes Abo-Modell in Aussicht.

Fast unantastbar schien die Autorität des Streaming-Giganten. Damit ist nun Schluss, denn zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt verbuchte Netflix einen Rückgang der Nutzerzahlen. Rund 200.000 zahlende Kunden habe das Unternehmen im ersten Quartal 2022 verloren, wie die New York Times berichtet. Für das laufende Quartal rechne die Konzernleitung mit einem weiteren Verlust von bis zu zwei Millionen Abos.

Netflix plant, das Teilen von Accounts kostenpflichtig zu machen

In einem Brief an die Aktionäre begründet Netflix die Rückgänge mit “Faktoren außerhalb ihrer Kontrolle”. Damit sind beispielsweise der Ukraine-Krieg und die weltweite Inflation gemeint. Retten konnte das die Aktie allerdings nicht, welche seit Anfang des Jahres über 40 Prozent an Wert verloren hat.

Ein Problem, das der Konzern schon eher beeinflussen kann, ist das sogenannte Account-Sharing. Insgesamt sollen rund 100 Millionen Nutzer ihr Passwort außerhalb ihres eigenen Haushalts weitergeben, ohne wie bei anderen Streamingdiensten mehr Geld dafür bezahlen zu müssen. Als das Wachstum hoch war, habe man darüber hinweggesehen, erklärt Reed Hastings, Co-CEO bei Netflix. Nun sieht die Lage anders aus.

In Chile, Costa Rica und Peru müssen Kunden, die sich ein Konto teilen, bereits 2,99 US-Dollar mehr bezahlen. Sollte das Projekt in Südamerika erfolgreich sein, könnten bald weitere Länder folgen.

Auch interessant: Netflix-Kosten 2022 – Wie teuer sind die einzelnen Abos?

Netflix bald auch mit Werbung?

In Zukunft möchte sich der Streamingdienst weniger an der bloßen Anzahl der Kunden orientieren und andere Faktoren wie die Einnahmen pro Kunde stärker berücksichtigen. Um dies zu ermöglichen, soll ein günstigeres Abo angeboten werden, das auch Werbung enthält. Genauere Details gab Hastings nicht bekannt. Bis das neue Modell verfügbar ist, soll es ohnehin noch ein bis zwei Jahre dauern.

Die Ankündigung kommt sehr überraschend. Bisher war Netflix einer Finanzierung durch Werbeeinnahmen gegenüber negativ eingestellt. Hastings erklärte den Kurswechsel mit der Wahlfreiheit der Kunden. Es ergebe demnach sehr viel Sinn, Nutzern, die werbetolerant seien und gern weniger bezahlen wollten, dies auch zu ermöglichen.

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