MSCI World: Wie der Welt-Index Anleger in die Irre führt

MSCI World: Wie der Welt-Index Anleger in die Irre führt
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Fragt man nach einem Weltindex, so würden die meisten Anleger vermutlich auf den MSCI World verweisen. Doch in Teilen erscheint der berühmte Index wie eine Mogelpackung.

Der MSCI World gehört zu den beliebtesten Aktienindizes unter ETF-Anlegern. Die Ursache dafür liegt in seinem Ruf als Welt-Index. Denn zum aktuellen Zeitpunkt beinhaltet der Aktienkorb mehr als 1.500 Wertpapiere aus unterschiedlichen Ländern. Wer den Index mit einem ETF nachbaut, kann sein Portfolio global diversifizieren – so zumindest die allgemeine Vorstellung. Doch stimmt das wirklich?

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MSCI World: “Welt”-Index verzichtet auf Schwellenländer

Der MSCI World ist nicht im wahrsten Sinne ein Welt-Index. Denn wer einen genauen Blick auf den Index wirft, bemerkt schnell, dass dieser zwar zahlreiche Unternehmen aus 23 Industrieländern beinhaltet, die Schwellenländer (Emerging Markets) jedoch komplett ignoriert. Dabei gibt es ungefähr 24 Volkswirtschaften, die unter diese Kategorie fallen – ganz vornedran die aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und Indien. Unter diesem Gesichtspunkt scheint die Bezeichnung “Welt-Index” irreführend.

Warum der MSCI World trotzdem das Wort “World” in seinem Namen trägt, lässt sich auf seine Geschichte zurückführen. Als der Index im Jahr 1986 erfunden wurde, hatten Anleger die Schwellenländer noch überhaupt nicht im Blick. Erst mit der Zeit kristallisierte sich ein Interesse an den aufstrebenden Volkswirtschaften heraus. Deshalb entstand selbst der MSCI Emerging Markets Index erst im Jahr 1988.

Wo der Titel “MSCI World” damals noch gerechtfertigt schien, ist er heute nicht mehr ganz passend. Ändern will der Indexanbieter den Namen trotzdem nicht. Mittlerweile hat sich der MSCI World nämlich als eine Marke etabliert, deren Namensänderung aus Marketingsicht äußerst unklug wäre.

MSCI World: Starker Fokus auf US-Aktien

Wer die Schwellenländer bei der Geldanlage außen vor lässt, investiert nicht global, sondern größtenteils in westliche Nationen. Doch damit nicht genug: Der MSCI World hat noch ein weiteres Problem. Denn unter den Industrieländern nehmen die USA mit 67,8 Prozent den mit Abstand größten Platz im Index ein. Mehr als zwei Drittel der Kursentwicklung des MSCI World werden also durch US-amerikanische Aktien bestimmt.

Auf dem zweiten Platz befindet sich Japan mit einer Gewichtung von 6,1 Prozent. Darauf folgen Großbritannien (4,4 Prozent), Frankreich (3,7 Prozent) und Kanada (3,4 Prozent). Alle restlichen Nationen kommen auf schwache 14,8 Prozent. Der MSCI World macht sich also nicht nur von Industrieländern, sondern vor allem von den Vereinigten Staaten abhängig. Mit einer ausgeglichenen Diversifikation hat das wenig am Hut.

So investieren Anleger tatsächlich weltweit

Das Ungleichgewicht im MSCI World lässt sich kaum übersehen. Auf den Index verzichten müssen Anleger jedoch nicht. Denn in seiner Aufgabe, die Börsenlandschaft der USA und weiteren Industrienationen abzubilden, ist der MSCI World äußerst erfolgreich. So erzielte der Aktienkorb seit 1988 eine jährliche Rendite von rund 8,1 Prozent.

Für ein globales Investment ist es allerdings sinnvoll, dem Portfolio noch einige Schwellenländer hinzuzufügen. Das klappt zum Beispiel mit einem ETF auf den MSCI Emerging Markets Index. Der MSCI Emerging Markets beinhaltet 1.400 Aktien aus 24 Schwellenländern und stellt die perfekte Ergänzung zum MSCI World dar. Um die Abhängigkeit von den USA abzuschwächen empfiehlt sich außerdem noch ein Index für europäische Aktien – zum Beispiel der MSCI Europe.

Bei der Portfolioaufteilung setzen viele Anleger auf die 60/20/20-Strategie. Zu 60 Prozent investiert man dabei in einen MSCI World ETF. Die restlichen 40 Prozent teilen sich dann jeweils zur Hälfe auf einen Schwellenländer- und einen Europa-ETF auf. Hierdurch erzielt man tatsächlich eine weltweite Streuung bei der Geldanlage. Eine etwas andere Gewichtung kann jedoch auch nicht schaden. Um die Strategie realisieren zu können, benötigst du ein Depot bei einem Online-Broker wie Scalable Capital*.

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