Investieren mit Indexfonds: Wann befinden sich zu viele ETFs im Portfolio?

Investieren mit Indexfonds: Wann befinden sich zu viele ETFs im Portfolio?
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Ob es eine optimale Anzahl an ETFs im Portfolio gibt, lässt sich so nicht sagen. Dass man aber zu viele Indexfonds besitzen kann, ist eine unbestreitbare Tatsache.

Mit ETFs (Exchange Traded Funds) können Anleger die Wertentwicklung eines Index wie dem DAX oder dem MSCI World nachbilden. Die Kosten der Indexfonds sind niedrig, der Rechercheaufwand gering. Das Angebot, an welchem sich Einsteiger bedienen können, ist gigantisch – so gibt es zu fast jedem Thema mittlerweile einen passenden ETF.

Geld anlegen mit ETFs: Weniger ist manchmal mehr

Doch nur weil der Tisch reichlich gedeckt ist, bedeutet das nicht, dass man sich an jeder Speise bedienen sollte. Manchmal reichen schon zwei ETFs, um eine ausreichende Diversifikation im Portfolio zu erzeugen. Zehn ETFs sind aber in jedem Fall zu viel.

Auch beim Investieren gilt die altbekannte Weisheit: “Zu viele Köche verderben den Brei.” Das gilt schon allein deswegen, weil es bei zu vielen ETFs schwer wird, den Überblick zu behalten. Wenn du einen Sparplan besitzt, musst du alle diese Fonds zeitgleich besparen. Zudem kann es beim jährlichen Rebalancing ziemlich nervig werden, 10, 15 oder 20 verschiedene ETFs so umzuschichten, dass die ursprüngliche Vermögensverteilung wiederhergestellt ist.

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Die Gefahren zu vieler Indexfonds

Vom Verwaltungsaufwand einmal abgesehen, kann durch zu viele ETFs auch ein Klumpenrisiko im Portfolio entstehen. Wer gut aufpasst, schafft es, dieses Risiko zu vermeiden. Doch vor allem unerfahrene Anleger bemerken oft gar nicht, dass ihre scheinbar verschiedenen ETFs gar nicht so unterschiedlich sind. Wer sich zu seinem amerikanischen Portfolio etwa einen Weltaktien-ETF dazu holt, sollte wissen, dass viele dieser Fonds trotz ihrem Namen überwiegend in US-Aktien investieren.

Ebenso kann es sein, dass man einzelnen Unternehmen versehentlich eine zu große Gewichtung verleiht. So gehört die Apple-Aktie in vielen Fonds etwa zu den 10 größten Positionen. Auch ist die Tech-Branche selbst aufgrund ihrer hohen Marktkapitalisierung immer mal wieder überrepräsentiert in nicht-thematischen ETFs. Ohne es zu wissen hat man dann auf einmal 40 Prozent Tech-Unternehmen in einem vermeintlich gestreuten Portfolio.

Und das waren noch gar nicht alle Probleme. Anleger sollten auch bedenken, dass man für jeden einzelnen ETF Transaktionsgebühren zahlen muss. Je nach Broker sind das bei zwei ETFs nur zwei Euro pro Kauf oder Verkauf. Bei 15 ETFs müsste man aber schon 15 Euro bezahlen, was sich auf lange Sicht ordentlich summiert. Und jetzt bedenke zusätzlich, wie umständlich das Ganze wird, wenn du die Fonds bei unterschiedlichen Brokern kaufen musst, weil es nicht alle beim selben gibt.

Für ein ausgeglichenes Portfolio: Wie viele ETFs sind optimal?

Die richtige Anzahl an ETFs im Portfolio gibt es nicht. Wie viele unterschiedliche Indexfonds man besitzen sollte, hängt ganz von der eigenen Anlagestrategie ab. Ein einzelner ETF ist vielen Menschen zu wenig, weil dann die Flexibilität flöten geht. Wer sich nicht gerade für den MSCI ACWI mit seinen 3.000 Unternehmen aus aller Welt entscheidet, läuft außerdem Gefahr, ein Klumpenrisiko ins Depot zu holen.

Das sogenannte 70/30-Portfolio erfreut sich unter Anlegern dagegen immer größerer Beliebtheit. Dabei investieren die Anleger 70 Prozent ihres Kapitals in einen MSCI World-ETF (Industrieländer) und 30 Prozent in einen MSCI Emerging Markets-ETF (Schwellenländer). Da beide ETFs in mehrere Länder aus der ganzen Welt investieren, lässt sich somit eine breite Diversifikation erreichen.

Manche Anleger fügen ihrem Portfolio noch einen dritten ETF hinzu: Meist einen weiteren Weltaktien-ETF, der auch die Small-Cap-Unternehmen (Firmen mit geringer Marktkapitalisierung) ins Boot holt. Diese sind in den eben genannten Indizes nämlich gar nicht enthalten.

Mit einer solchen Kombination hätte man bereits ein sehr diversifiziertes Portfolio zur Hand – und das mit nur drei ETFs. Alternativ könnte man jetzt noch Themen-ETFs kaufen oder ein einzelnes Land favorisieren. Das macht dann Sinn, wenn man glaubt, dass eine bestimmte Branche oder ein bestimmtes Land starke Wachstumschancen aufweist. So können locker noch mal zwei bis drei weitere ETFs dazukommen.

Wer irgendwann 10 Fonds besitzt, sollte sich aber die Frage stellen, ob er diese wirklich benötigt. Nur selten lässt sich durch diese Vermögensverteilung eine höhere Rendite erzielen. Im Gegenteil ist der Anleger sogar einigen Fallstricken ausgesetzt, die wir weiter oben bereits beschrieben haben.

Übrigens: Viele Finanzexperten sind sich einig, dass Weltaktien-ETFs alleine noch kein diversifiziertes Portfolio ausmachen. Anleger sollten ihrem Portfolio weitere Finanzprodukte hinzufügen, die mögliche Kursverluste ausgleichen. Das könnten z.B. Anleihen sein bzw. Anleihen-ETFs. Auch ist es wichtig, dass man über Barbestände, wie etwa einen Notgroschen, verfügt.

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