Darum gibt es keinen Walmart in Deutschland

Darum gibt es keinen Walmart in Deutschland
© Walmart

Die größte Supermarktkette der USA ist auch außerhalb der eigenen Landesgrenzen vertreten. Nur von Deutschland hält sich Walmart seit vielen Jahren fern.

Walmart steht in der Fortune Global 500-Liste auf Platz 1 der umsatzstärksten Unternehmen der Welt. Kein anderer Einzelhandelskonzern verkauft so viele Produkte, wie der Laden mit dem blau-gelben Logo. Fast die Hälfte aller Amerikaner besucht die Supermarktkette mindestens einmal pro Woche, um lebenswichtige Einkäufe zu tätigen, darunter Nahrungsmittel, Elektronik, Kleidung, Küchenutensilien und viele andere Produkte. Doch wenn Walmart so erfolgreich ist, warum gibt es die Firma dann nicht auch in Deutschland?

Walmarts Scheitern in Deutschland

Was viele nicht wissen: Walmart war zwischen 1997 und 2006 auch in Deutschland ansässig, scheiterte aber kläglich am hiesigen Markt. Das Unternehmen kaufte damals 21 Wertkauf-SB-Warenhäuser und wenig später 74 Interspar-Häuser auf, um sich im Land der Dichter und Denker zu etablieren. Die Strategie: Mit den selben Billigpreisen wie in den USA auch die deutschen Kunden gewinnen.

Doch der Plan ging nicht auf. Die sonst so erfolgreiche Supermarktkette machte in jedem Jahr riesige Verluste. Alleine in 2003 fiel Walmart 487 Millionen Euro ins Minus, die Verluste der darauffolgenden Jahre vertuschte das Unternehmen vollständig. Aus dem erhofften Feldzug wurde eine Niederlage, die den Konzern bis heute vom deutschen Markt fernhält. Kurz vor dem vollständigen Rückzug aus Deutschland gestand eine Walmart-Sprecherin, man habe “den Turnaround nie geschafft.”

Darum gibt es keinen Walmart in Deutschland
So voll wurden die Filialen nur in den USA. / © Walmart

Später verkaufte das Unternehmen alle seine 85 Filialen an den Konkurrenten Metro. Doch wie konnte es zu solch einem Versagen kommen? Wirtschaftsexperten bemängeln vor allem die undurchdachte Strategie des Konzerns. Walmart kaufte und kaufte, war aber nicht erfolgreich darin, die eigene Marke zu etablieren. Das neue Konzept und die freundlich-dreinblickenden Angestellten, die einem sogar den Einkauf in die Tüten packten, konnte die Deutschen nicht überzeugen. Man kaufte lieber weiter bei Aldi, Penny, EDEKA, Lidl, Rewe und co., statt sich auf den stolzen Amerikaner einzulassen.

Mächtige Konkurrenz machte Expansion unmöglich

Walmart unterschätzte die starke Konkurrenz in Deutschland. Man dachte, man könne die Supermärkte, wie schon in den USA, einfach aus dem Geschäft vertreiben, indem man die Preise tiefer drückt, als jeder andere. Doch der Einzelhandelskonzern hat seine Rechnung ohne die Discounter gemacht. Das Preisniveau für Lebensmittel und andere Konsumgüter des täglichen Bedarfs liegt hierzulande ungewöhnlich tief und befindet sich zudem fest im Griff des Billig-Giganten Aldi.

Statt die Probleme mit kühlem Kopf anzugehen, jonglierte Walmart von Jahr zu Jahr die Preise, was die Kunden nur noch weiter fernhielt. Seltsame Morgenrituale und Arbeitsphilosophien schreckten auch die Mitarbeiter ab. Der harte Wettbewerb am deutschen Markt und die dennoch stets dagebliebene Überheblichkeit der Amerikaner führte dann, nach nur neun Jahren, zur vollständigen Kapitulation.

Ob sich Walmart jemals wieder ins stark-umkämpfte Deutschland trauen wird, ist fraglich. Dafür ist es nun aber der deutsche Discounter Aldi, der in Nordamerika expandiert- und zwar ohne großes Tamtam. Stück für Stück gewinnt Aldi mehr Teile des US-amerikanischen Markts. Mittlerweile sind es bereits 2000 Filialen und hunderte aufgekaufte Trader Joe’s-Märkte, in denen Millionen von Kunden jeden Monat shoppen gehen. Eine ironische Wendung des Schicksals.

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