Altes Geld oder neureich?

Altes Geld oder neureich?
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„Ich weiß nicht viel darüber, wie es ist, Millionär zu sein, aber ich wette, dass ich es lieben würde.“ Die US-amerikanische Autorin und Kritikerin Dorothy Parker sprach damit schon vor fast einem Jahrhundert den meisten Menschen aus der Seele. Wer möchte schließlich nicht sorgenfrei seine Tage verbringen, ob man nun zum Geldadel oder unter die Emporkömmlinge gerechnet wird?

Die Unterscheidung zwischen den Besitzern von altem Geld und Neureichen hat dabei mittlerweile weniger soziale Bedeutung als zu Parkers Zeit, aber ganz ohne Snobismus wird jüngst erworbener Reichtum noch immer nicht betrachtet. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob das Geld durch 6 Richtige im Lotto, als Weltmeister im Poker oder als Start-Up-Unternehmer verdient wurde.

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Die reichsten Leute in der Bundesrepublik fallen in die Gruppe der Erben oder in eine dritte Kategorie – statt der Millionen oder gar Milliarden als altes Geld über mehrere Generationen geerbt zu haben, haben sie den Grundstein für ihr Vermögen vor diversen Jahrzehnten selbst durch harte Arbeit gelegt.

Im vergangenen Jahr gab es in der Bundesrepublik rund 500.000 Dollar-Millionäre. Damit liegt Deutschland international auf Platz 4.

Obwohl hierzulande keiner der Superreichen angesiedelt ist, stehen immerhin 5 Deutsche auf der Liste der 100 reichsten Menschen der Welt.

Das meiste Geld besitzt Spediteur Klaus-Michael Kühne, der 1976 in dritter Generation das Unternehmen Kühne + Nagel übernommen hatte. Das Vermögen des gebürtigen Hamburgers wird auf rund 42,2 Milliarden Dollar geschätzt. International kommt er laut Forbes Magazin im Ranking auf Platz 29.

An zweiter Stelle im deutschen Vermögensranking liegt Dieter Schwarz mit rund 38 Milliarden Dollar. Zu verdanken hat er das der 1930 von seinem Vater gegründeten Schwarz-Gruppe, zu der unter anderem Lidl und Kaufland gehören.

Reinhold Würth ist mehr Selfmade-Mann als reiner Erbe. Er hatte 1949 als Auszubildender in der Zwei-Mann-Schraubengroßhandlung seines Vaters angefangen. Fünf Jahre später musste er als 19-jähriger die Führung nach dem frühzeitigen Tod seines Vaters übernehmen – mit Erfolg. Die Würth-Gruppe ist mittlerweile weltweit aktiv. Das Vermögen von Reinhold Würth wird auf 27,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Auf den Plätzen 4 und 5 liegt ein Geschwisterpaar. Stefan Quandt ist Großaktionär und stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Autokonzern BMW. Sein Vater Helmut Quandt hatte 1959 den Löwenanteil an dem Unternehmen gekauft und an seine Kinder vererbt. Stefan Quandts Vermögen wird auf 25,5 Milliarden Dollar beziffert.

Kaum weniger besitzt seine Schwester Susanne Klatten. Außer ihren Anteilen an BMW ist sie zudem die Eigentümerin von Altana, einem deutschen Spezialchemiekonzern. Mit rund 24,3 Milliarden Dollar ist sie die reichste Frau Deutschlands.

Ohne altes Geld ist Andreas von Bechtoldsheim auf Platz 7 gekommen. Der gebürtige Bayer gilt als einer der Pioniere der Informationstechnologie. Er studierte Mitte der 1970er Jahre Computerwissenschaften in den USA. Gemeinsam mit einem Kollegen an der Stanford Universität startete er ein Projekt, aus dem sich der Technologieriese Sun Microsystems entwickelte. Damit legte er den Grundstein für eine technologischen Innovationen gewidmete Karriere.

Investitionen in Google, als die Idee neu war, und die Gründung von Arista Networks haben ebenfalls kräftig zu von Bechtolsheims Reichtum beigetragen. Inzwischen wird das Vermögen des als Philanthropen bekannten Silicon Valley Pioniers aus Deutschland auf rund 14,3 Milliarden Euro geschätzt.

Ausschließlich aus eigener Kraft hat es auch Hasso Plattner auf die Liste geschafft. Er gründete 1972 gemeinsam mit 4 anderen ehemaligen IBM-Managern die seit 1988 börsennotierte Unternehmenssoftware-Firma SAP. Sein Vermögen beträgt laut Forbes derzeit rund 10,9 Milliarden Dollar.

Von derartigen Summen können die meisten Menschen nur träumen. Lottoscheine und Aktienspekulationen zählen zu den Methoden, mit denen Normalsterbliche versuchen, ihr Vermögen aufzubauen, je nachdem, ob sie unverbesserliche Optimisten oder eher vorsichtige Kandidaten sind. Prinzipiell gilt in jedem Fall, dass nur Geld eingesetzt werden sollte, auf das verzichtet werden kann, ob es nun ums Tippen oder Investieren geht.

Ein bisschen leichter sollte es etlichen Deutschen zurzeit fallen, den Grundstock für ein finanzielles Polster anzulegen. Im Jahr 2020 lag das Durchschnittsgehalt bei rund 1966 Euro netto. Im vergangenen Jahr betrug es bereits 2675 Euro.

Wer Angst hat, als neureicher Emporkömmling zu gelten, kann sich mit ein paar Tricks als Besitzer von altem Geld tarnen. Der Unterschied? Alles, was protzig und auffällig ist, gilt von vornherein als neureich. Luxusautos, dicke Goldketten und Juwelen werden bewusst oder unbewusst mit sozialen Aufsteigern gleichgesetzt. Altes Geld tritt diskret auf. Das heißt nicht, dass die Besitzer keinen Wert darauflegen, als reich erkannt zu werden. Aber altes Geld flüstert, wo neues Geld laut schreit.

Das Wichtigste ist allerdings, dass die Moneten überhaupt vorhanden sind. Wie es schon seit den Zeiten der alten Lateiner so schön heißt: Geld stinkt nicht – egal, ob ererbt, gewonnen oder selbst verdient.

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