Wie Banken völlig legal Geld aus dem Nichts erschaffen

Wie Banken völlig legal Geld aus dem Nichts erschaffen
© Adobe Stock

Tagtäglich schöpfen private Banken Geld aus dem Nichts. Wie dieser Prozess funktioniert, ist den meisten Bundesbürgern jedoch schlichtweg unbekannt.

Würde man die Menschen in Deutschland fragen, wie neues Geld entsteht, würden die meisten vermutlich auf die Zentralbank hinweisen. Die Zentralbank ist dafür verantwortlich, neue Scheine und Münzen herzustellen und diese in den Wirtschaftskreislauf einzubringen. Das geschieht zum Beispiel durch die Vergabe von Kredite an Geschäftsbanken oder den Kauf von Unternehmens- und Staatsanleihen. Doch was ein Großteil der Bevölkerung nicht weiß: Auch private Banken können frisches Geld erschaffen.

Wie die moderne Geldschöpfung wirklich funktioniert

Es ist wahr, dass nur die Zentralbank neues Bargeld herausgeben darf. Doch in der heutigen Zeit besteht mehr als 80% der Geldmenge aus privatem Giralgeld. Das Giralgeld existiert nicht in physischer Form, sondern lediglich auf dem Papier, heutzutage vor allem auf Online-Datenbanken. Diese Art des Geldes kann auch von privaten Banken vergeben werden, zum Beispiel in Form von Krediten.

Entgegen der allgemeinen Vorstellung, müssen die Kredite, welche die Banken vergeben, nicht aus den Einlagen der Sparer bestehen. Befindet die Bank einen Kunden als kreditwürdig, gibt sie einfach neues Giralgeld heraus, dass zuvor gar nicht existiert hat. So steigt mit jedem vergebenen Kredit die Geldmenge an.

Ein Limit bei der Kreditvergabe gibt es nicht. Um die privaten Banken jedoch in Zaum zu halten, werden diese von der Zentralbank dazu verpflichtet, einen Teil des Kreditsumme mit bereits bestehendem Geld abzusichern. Diese sogenannte Mindestreserve wird bei der Zentralbank deponiert. Im Euroraum liegt die Mindestreserve aktuell jedoch nur bei einem Prozent der Kreditsumme, weshalb Kritiker dessen Wirksamkeit regelmäßig in Frage stellen.

Auch interessant: Klein aber bedeutend: Warum ist die Schweiz so reich?

Private Banken sind erst dann auf die Reserven der Zentralbank angewiesen, wenn die Kunden Bargeld verlangen. Da in der heutigen Zeit aber vor allem mit Giralgeld gehandelt wird, ist der Einfluss auf die Geschäftsbanken entsprechend gering. Dennoch: Der Prozess, welchen die Banken bei der Kreditvergabe verwenden, ist völlig legal. Kritische Stimmen fordern zwar immer wieder, den Kreditinstituten das Privileg der Geldschöpfung zu entziehen, an einer Änderung des Systems war die EZB bislang aber nicht interessiert.

Das aktuelle Geldsystem birgt sowohl Vor- als auch Nachteile. Die Sorgen vor einem zunehmenden Einfluss der privaten Banken ist nicht unberechtigt, da die massive Kreditvergabe zum Beispiel die Bildung von Spekulationsblasen ankurbelt. Ob Finanzspekulationen aber tatsächlich durch das Vollgeldsystem eingedämmt werden können, steht zur Debatte. Auch stellt sich die Frage, wie die Zentralbank bestimmt, welche Geldmenge in einem gewissen Zeitraum angemessen ist. Politische Denker sehen vor allem deshalb im Vollgeldsystem ein Problem, weil es der Zentralbank einen enormen Machtzuwachs bescheren würde.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

 

Mehr aus dem Netz

Related Posts