Metaverse: Warum ich gut auf die virtuelle Welt verzichten kann

Metaverse: Warum ich gut auf die virtuelle Welt verzichten kann
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Das Metaverse soll eine Revolution des Internets mit sich bringen, ein verbessertes, digitales Leben. Doch ist das wirklich, wonach sich die Menschheit sehnt?

Spricht Facebook-Chef Mark Zuckerberg über das Metaverse, meint er damit einen virtuellen Raum, in welchem Menschen kommunizieren und interagieren können. Eine Abgrenzung zur realen Welt sieht er nicht vor. Viel mehr sollen Elemente des echten Lebens und die Möglichkeiten der digitalen Welt im Metaverse miteinander verschmelzen.

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Metaverse: Was sich hinter dem großen Begriff verbirgt

Erste Promo-Videos zeigen, wie das Metaverse sein könnte. Der Nutzer erstellt sich einen Avatar und taucht dann in die fiktive Welt ein, um Freunde zu treffen, Konzerte zu besuchen, zu spielen und sogar um zu arbeiten. Zuckerberg spricht von einer “neuen Generation des Internets”, einem sogenannten “Web 3.0”. Sein Unternehmen Facebook, das seit Oktober 2021 “Meta” heißt, soll diese Revolution anführen.

Eine einheitliche Vorstellung davon, wie das Metaverse schlussendlich aussehen, geschweige denn funktionieren soll, gibt es nicht. Schuld daran ist die Tatsache, dass es nicht nur ein einziges Metaverse, sondern mehrere gibt. Auch der Videospielentwickler Epic Games und der Softwareentwickler Microsoft arbeiten momentan an dreidimensionalen Erlebniswelten. Die Vision besteht darin, eine Brücke zwischen den verschiedenen, digitalen Universen zu schlagen.

Im kleinen Umfang existiert das Metaverse bereits. So hat zum Beispiel das Videospielspiel VR Chat eine virtuelle Realität geschaffen, in welcher Nutzer aus aller Welt mit den Avataren anderer Nutzer interagieren können. Vorgänger dieses Konzepts gibt es bereits mit Second Life, einem Videospiel aus dem Jahr 2003. Wie der Name schon verrät, können Nutzer dort eine Art zweites Leben führen und dabei die Grenzen der physischen Realität durchbrechen.

Mark Zuckerberg scheint wie besessen von der Idee eines Metaversums. Und damit ist er nicht der einzige. Auch Tech-Unternehmen wie Nvidia, Unreal, Apple und Unity planen an der schwammigen Vision teilzunehmen. Selbst Disney, der Filmkonzern, mit dem die meisten Menschen ein eher nostalgisches Gefühl verbinden, möchte die “neue Generation des Internets” mitgestalten. Investoren pumpen schon jetzt Millionen von Dollar in digitale Grundstücke, die in Metaverse-Prototypen wie “Decentraland” und “The Sandbox” bestehen.

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Bevölkerung zeigt wenig Interesse an Zuckerbergs Vision

In der gemeinen Bevölkerung scheint sich die Euphorie momentan noch in Grenzen zu halten. Eine neue Umfrage von Axios und Momentive zeigt, dass die meisten Menschen dem Metaverse skeptisch oder neutral gegenüberstehen. Auf die Frage, ob die Idee bei ihnen eher Furcht als Vorfreude auslöse, antworteten 35 Prozent mit einem “Ja”.

Nur 7 Prozent der Befragten freuten sich auf eine Zukunft im virtuellen Raum. 58 Prozent, der mehr als 2.500 erwachsenen US-Amerikaner, spürten bei dem Gedanken an das Metaverse weder Furcht noch Vorfreude. Zwar beinhaltet die Umfrage auch Personen, die mit der Idee eines Metaversums komplett unvertraut waren, doch selbst jene Menschen, die bereits davon gehört hatten, betrachteten das Konzept überwiegend neutral.

Auch ich spüre bei dem Wort Metaverse nichts als pure Reizlosigkeit. Selbst in den sozialen Netzwerken bleiben Trubel und Hype gänzlich aus – egal wie oft Zuckerberg von der Revolution des Internets spricht. Vielleicht liegt die Krux darin, dass es sich bei dem Metaverse bislang mehr um eine unpräzise Abstraktion als eine greifbare Idee handelt. Vielleicht aber auch an den sterilen Promo-Videos des Meta-Konzerns.

Metaverse: Warum ich gut auf die virtuelle Welt verzichten kann
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Ein natürlicher Hype scheint zumindest nicht zu entstehen, egal wie fleißig die Werbetrommel in den letzten Monaten gerührt wurde. Wann der Otto Normalverbraucher Zugang zum Metaverse erhält, ist unklar. Sicher ist nur, dass der Internet-Revolution noch so einige Hürden bevorstehen. Immerhin, das weiß man bereits, erfordert ein echtes Metaverse enorme Serverkapazitäten.

Mit Horizon Worlds brachte Meta am 9. Dezember 2021 ein VR-Videospiel auf den Markt, das in seinen Grundzügen bereits viele Elemente der Metaverse-Idee vereint. Von der Gaming-Community und Kritikern wurde das Spiel größtenteils ignoriert. Zu uninteressant, zu austauschbar ist die digitale Spielewelt.

Das ist jedoch nicht das einzige Problem mit Horizon Worlds. Schon kurze Zeit nach Release führte Meta einen Mindestabstand von 1,2 Metern zwischen den Spielern ein. Der Grund: Im Metaverse kam es zur sexueller Belästigung von Frauen.

Das Metaverse ist eine Dystopie

Ich habe große Schwierigkeiten damit, das Metaverse zu verstehen – und das nicht etwa, weil es mir an technischem Verständnis mangelt. Viel eher fällt es mir schwer, Zuckerbergs Begeisterung zu teilen oder überhaupt nachzuvollziehen, woher diese Begeisterung entspringt. Denn eines ist klar: Was wir bislang vom Metaverse gesehen haben, ist schmerzlich enttäuschend.

Des Weiteren frage ich mich, ob überhaupt Interesse in der Bevölkerung besteht, das eigene Leben mit dem Metaverse zu verbinden. Viele Menschen fühlen sich schon jetzt von der immer größer werdenden Verschmelzung der digitalen mit der realen Welt gestresst. Der psychischen Gesundheit des Individuums zum Beispiel scheinen die sozialen Netzwerke mehr zu schaden als zu nützen. Wann glaubt Zuckerberg gehört zu haben, dass sich die Gesellschaft eine noch aggressivere Synthese zwischen realem Leben und digitalem Raum wünsche?

Wirft man einen Blick auf die Popkultur, fällt schnell auf, dass die Menschen bei einer solchen Vorstellung eher zurückschrecken. Dystopische Film wie “Matrix” aus dem Jahre 1999 erscheinen im Geiste der Leute. Auch der Roman “Snow Crash”, in welchem das Wort Metaverse zum ersten Mal auftauchte, drängt sich dem Verstand auf.

Metaverse: Warum ich gut auf die virtuelle Welt verzichten kann
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Menschen möchten in der Realität leben, auch wenn sie manchmal hart, grausam und ungerecht scheint. Wir möchten für positive Veränderung sorgen, nicht aber in einer virtuellen, sondern in der realen Welt. Wenn wir übermäßig viel Zeit in virtuellen Räumen verbringen, dann nur, weil wir der Realität entfliehen wollen, nicht aber weil wir der Meinung sind, das Leben in der virtuellen Welt sei erstrebenswerter.

Es ist ein bisschen so, als sperre man sich freiwillig in Platons Höhle ein. Oder als versuche man einen Himmel auf Erden zu schaffen. Mit dem mutigen Neo aus den Matrix-Filmen, der die schöne Illusion für die bittere Wahrheit aufgibt, hat ein Leben im Metaverse zumindest nichts zutun.

Ich glaube nicht, dass das Metaverse unseren Bezug zur Realität abschneiden wird, noch unterstelle ich Zuckerberg und dem restlichen Silicon Valley bösartige Intentionen. Ich denke jedoch, dass die Tech-Unternehmen einen Schritt zurückfahren sollten. Vielleicht wird das Metaverse ja tatsächlich eine Revolution des Internets hervorrufen. Dann sollte es aber immer noch als nützlicher Zusatz in unserem Leben fungieren, nicht aber als eine “neue Realität”, so wie es Zuckerbergs (unglaublich langweilige) Promo-Videos darstellen.

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