Geldanlage: Sind Frauen wirklich die besseren Investoren?

Geldanlage: Sind Frauen wirklich die besseren Investoren?
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Sind Frauen tatsächlich erfolgreicher bei der Geldanlage als Männer? Wir haben verschiedene Studien untersucht und kamen zu einem eindeutigen Ergebnis.

“Die Welt sähe anders aus, wenn Lehman Brothers Lehman Sisters gewesen wäre” sagte einst die EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Immer wieder hört man auch in Börsenkreisen, Frauen seien bessere Investoren als Männer. Da sich das männliche Geschlecht häufig selbst überschätzt, erzielen Frauen eine höhere Rendite – so lautet die These. Doch was steckt hinter der Behauptung?

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Frauen vs. Männer: Wer die höhere Rendite erzielt

Studien, die das Börsenverhalten und die Rendite von Männern und Frauen vergleichen, gibt es viele. Eine der jüngsten Untersuchungen stammt von der ING-Bank und wurde im April 2022 veröffentlicht. Das Ergebnis: Weibliche Depotinhaber investierten im Jahr 2021 rund 3.100 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen. Dafür erzielten sie jedoch eine leicht höhere Rendite.

Während die Männer am Ende des Jahres 21 Prozent durch ihre Geldanlage erwirtschafteten, konnten die Frauen eine Rendite von 22,5 Prozent abgreifen. Skeptiker würden nun behaupten, die 1,5 Prozent mehr könnten ja auch durch einen Zufall zustande gekommen sein – ein berechtigter Einwand. Doch andere Studien, sowohl deutsche wie auch US-amerikanische, enthüllen ähnliche Ergebnisse wie die ING.

Eine Studie von Fidelity zum Beispiel, ebenfalls aus dem Jahre 2021, beweist, dass Anlegerinnen eine durchschnittlich 0,4 Prozent höhere Rendite als Anleger erzielen. Das zumindest ging aus der Analyse von 5,2 Millionen Bankkonten über einen Zeitraum von fast neun Jahren hervor.

Auch im Bereich des professionellen Investierens haben Frauen die Oberhand. Die Investmentbank Goldman Sachs kam im Jahr 2020 zu dem Ergebnis, dass Fondsmanager-Teams, die nur aus Frauen bestanden oder eine Mischung darstellten, bessere Renditen erzielten als rein männliche Teams.

Warum Anlegerinnen erfolgreicher an der Börse sind

Natürlich lassen sich Ausnahmen finden, doch mit Blick auf das Gesamtbild scheint es so, als sei das weibliche Geschlecht tatsächlich geschickter bei der Geldanlage. Doch warum ist das so? Eine mögliche Antwort lässt sich in der verhaltensorientierten Finanzökonomie finden.

In einer Studie mit dem Titel “Boys will be Boys: Gender, overconfidence and common stock investment” untersuchten Brad Barber und Terrance Odean die Selbsteinschätzung der Geschlechter. Und tatsächlich: Männer überschätzen sich im Schnitt häufiger als Frauen. Ihre Aktieninvestments fallen deshalb deutlich aktiver aus, was die Rendite schmälert. Frauen folgen lieber einem passiven Investmentansatz.

Weitere Studien weisen darauf hin, dass Frauen länger an ihren Entscheidungen festhalten und sich nicht so sehr von Marktschwankungen beeinflussen lassen. Kurzum: Sie investieren rationaler. Umso bedauerlicher, dass im letzten Jahr nur 12 Prozent aller deutschen Frauen überhaupt Geld in Aktien oder ETFs anlegten. Bei den Männern waren es immerhin 23 Prozent.

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