Experiment erfolgreich? So gut klappt die 4-Tage-Woche in Großbritannien

Experiment erfolgreich? So gut klappt die 4-Tage-Woche in Großbritannien
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Die 4-Tage-Woche steht in England auf dem Prüfstand. Wie gut das neue Arbeitsmodell funktionierten kann, zeigen erste Berichte der Videospielfirma Hutch.

Vor drei Monaten startete in Großbritannien ein Experiment, bei dem die heiß diskutierte 4-Tage-Woche in der Praxis umgesetzt wurde. Bei rund 70 Firmen des Landes arbeiten die Angestellten derzeit nur von Montag bis Donnerstag bei gleicher Bezahlung. Die restlichen Wochentage sind frei. Mit rund 3.300 Teilnehmern ist es das größte Experiment dieser Art.

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4-Tage-Woche: Unternehmen von Produktivität der Mitarbeiter begeistert

Die Auswertung des Projekts findet Ende November, Anfang Dezember statt. Dann wird ein Forscherteam offenbaren, wie sich die Arbeit verändert hat, ob die Produktivität gestiegen ist und wie es den Arbeitskräften dabei geht. Die tagesschau hat aber schon jetzt eine Zwischenbilanz gezogen. Beim Videospielunternehmen Hutch sei das Experiment demnach ein voller Erfolg.

Andy Bass, künstlerischer Leiter bei Hutch, erklärte gegenüber NDR-Reporter Christoph Prössl: “Es gibt schon Tage, an denen viel los ist. Aber: In unserer Abteilung ist es etwas einfacher als in anderen Bereichen. Wir machen Werbe-Clips für soziale Medien, eine bestimmte Anzahl im Monat. Es war klar: Es müssen genauso viele Filme gemacht werden in 20 Prozent weniger Zeit.”

Nach drei Monaten zeigt sich Bass jedoch überzeugt von den Ergebnissen des Projekts. In jedem Monat schafften sie den Output, der von ihnen verlangt wurde. Gleichzeitig hat der gelernte Grafiker jetzt mehr Zeit für die Familie, für seine Kinder, für den Hund und fürs Fahrradfahren. Durch das dreitägige Wochenende könne er richtig abschalten. Für sein Team und ihn sei das ein “wirklicher Reset”, bevor es am Montag wieder ins Büro geht.

Eine ähnliche Zwischenbilanz zieht auch die Mitarbeiterin Anna, welche mit ihrem Team die Daten von Spielern analysiert. So habe sie zum Beispiel Meetings gestrichen oder massiv gekürzt. Die ganze Unternehmenskultur wurde umgekrempelt. Insgesamt habe eine neue Stimmung im Unternehmen dafür gesorgt, produktiver arbeiten zu können.

Shaun Rutland, der Vorstandsvorsitzende von Hutch, zeigt sich ebenfalls zufrieden. “Es ist fast so, als seien wir wieder ein Start-up. Es gibt diesen wilden Appetit, die Dinge zu erledigen.” verrät er gegenüber dem NDR. Rutland kann sich gut vorstellen, auch nach Ende des Experiments die 4-Tage-Woche fortzusetzen.

Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse wirklich?

Hört man die Berichte der Teilnehmer, klingt das Experiment, welches von der Initiative “4 Day Week Global” ins Leben gerufen wurde, wie ein voller Erfolg. Doch inwieweit diese Zwischenbilanz Auskunft über eine reale Implementierung der 4-Tage-Woche liefert, ist fraglich. Immerhin wissen die Angestellten, dass es sich um ein Projekt mit festgelegter Laufzeit handelt.

Die gesteigerte Arbeitsmoral könnte ein Ergebnis der Hoffnung sein, dass die 4-Tage-Woche auch nach dem Experiment fortgesetzt wird. Ob die Teilnehmer diesen neuen Arbeitswillen aber auch langfristig, d.h. über mehrere Jahre beibehalten könnten, wissen wir nicht. Auch fehlen uns bislang noch die Daten der anderen Unternehmen, die an dem Projekt teilnahmen.

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