Aristoteles: Warum der griechische Philosoph ein Zinsverbot forderte

Aristoteles: Warum der griechische Philosoph ein Zinsverbot forderte
© Adobe Stock

Viele populäre Argumente der Zinskritik gehen auf Aristoteles zurück. Doch warum kritisierte der antike Philosoph den Zins so scharf?

Wenn man von den größten Denkern aller Zeiten spricht, darf der Name Aristoteles nicht fehlen. Der Universalgelehrte wurde 384 v. Chr. in der griechischer Stadt Stageira geboren und übte sich schon früh mit Disziplinen der Philosophie, Biologie, Physik, Staatstheorie, Ethik, Logik und Dichtkunst. Seine Schriften gelten als Wegweiser der westlichen Zivilisationen und werden noch heute tagtäglich rezitiert. Nur die modernen Banken werden wohl kaum seinen Namen singen.

Auch interessant: Warren Buffett: Das ist der größte Fehler im Umgang mit Geld

Aristoteles betrachtete den Zins als etwas Unnatürliches

Denn was viele Menschen nicht wissen: Genauso wie sein Lehrer Platon forderte Aristoteles ein Zinsverbot. Sein athenischer Lehrmeister war der Auffassung, die Zinseinnahme schädige den Staat. Aristoteles ging noch einen Schritt weiter und betrachtete das Nehmen von Zinsen sogar als moralisch verwerflich. Berühmterweise sagte der Universalgelehrte einst:

“Das Geld ist um des Tausches willen erfunden worden, durch den Zins vermehrt es sich dagegen durch sich selbst. Diese Art des Gelderwerbs ist am meisten gegen die Natur.”

Aristoteles strebte zu Lebzeiten nach der Antwort auf die Frage, wie man ein “glückliches Leben” (Eudaimonia) in einem Staat gestalten könne. Für den griechischen Denker stand fest, dass ein funktionierendes politisches Gemeinwesen nur möglich sei, wenn auch der Handel moralisch betrieben werde. Dabei unterschied der Schüler Platons zwischen zwei Arten der Erwerbskunst.

Die natürliche Erwerbskunst (Oikonomia) diene dem glücklichen Leben, während die widernatürliche Erwerbskunst (Chrematistike) das menschliche Zusammenleben gefährde. Aristoteles betrachtete den Geldverleih gegen Zinsen als letzteres. Der Philosoph argumentierte damit, dass der Zins das Geld von alleine vermehre, obwohl dieses keine natürliche Tendenz zur Vermehrung in sich trage. Außerdem glaubte er, kenne der Gelderwerb durch Zinsen keine Grenzen, was grundsätzlich zur Maßlosigkeit führe.

Um Aristoteles Kritik zu verstehen, darf man nicht vergessen, dass der Grieche in einer Gesellschaft lebte, in der Wucherzinsen von 12% – 24% an der Tagesordnung waren. Zudem spricht er von einer Zeit, in welcher der Wohlstand primär in der Landwirtschaft erzeugt wurde. Dem Denker schien es so, als werde die soziale Basis, auf welcher die Gesellschaft fußt, durch den Zins geschädigt – und damit auch die Menschen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

 

Mehr aus dem Netz

Related Posts